Bist du bereit tief zu tauchen?

20. Mai 2022Fillandra 

Gefühle lösen, die dich aufhalten

Wir Menschen geben uns soviel Mühe rational zu sein, um alles richtig zu machen und alles unter Kontrolle zu haben. Wir versuchen über unsere Gefühle hinweg Situationen, die uns am Herzen liegen, in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wir sind gerne glücklich, am liebsten immer.
Wenn es uns einmal nicht gut geht, empfinden wir das schnell als Versagen. Als unser eigenes Versagen oder das Versagen unseres Umfeldes.

Über unangenehme Gefühle sprechen wir selten gern. Vor allem dann, wenn wir der Meinung sind, wir dürften uns so nicht fühlen.
Wir haben gelernt in gute und schlechte Gefühle zu unterscheiden.

Was uns also wirklich blockiert, ist das, was wir über das Gefühl denken. 
Was damit gemeint ist, wird dir dieser Post etwas näher bringen.

Gefühle erkennen

Wenn wir Gefühle übergehen, weil wir sie als unangebracht oder hinderlich empfinden, haben sie dennoch einen Einfluss auf unser Leben. Es ist sogar so, dass der Einfluss von Gefühlen wächst, je weiter wir sie von uns wegschieben.

Ich fragte, ob du bereit bist, tief zu tauchen. Denn am tiefsten gehen wohl Schuld- und Schamgefühle.
Im tiefsten Schatten schlummern sie vor sich hin. Und haben dort meist viel mehr Macht über uns als angebracht.
Ziehen wir diese Gefühle ins Licht unseres Bewusstseins, indem wir sie hinterfragen, lernen wir Neues über uns selbst. Wir finden heraus, was wir am besten tun können.
Erkennen, fühlen, verstehen - so lösen sich Gefühle auf.

Leicht gesagt, ich weiß. Deshalb möchte ich, gemeinsam mit dir, genauer dorthin schauen.

Was sind Schuldgefühle?

Schuld und Scham fühlen sich zunächst zum verwechseln ähnlich an, sind jedoch nicht gleich.

Schuldgefühle haben wir, wann immer wir etwas getan haben, das vermeintlich oder tatsächlich falsch war.

Manchmal wissen wir, dass wir mit unserem Handeln oder unseren Worten die Gefühle und Werte eines anderen Menschen sowie unsere eigenen, verletzt haben. Dann ist uns schon relativ klar, womit wir gerade ringen.

Doch es kann auch sein, dass wir bloß annehmen einen Fehler gemacht zu haben, weil wir den Verlauf einer Situation oder die Reaktion eines anderen so deuten, ohne nähere Einzelheiten zu kennen.
Oder wir haben aufgrund unserer Erziehung gelernt, etwas als falsch oder verboten zu erachten, ohne für uns überprüft zu haben, ob wir persönlich dieser Ansicht zustimmen.

Schuldgefühle wieder gut machen?

Handlung mit Handlung auszugleichen, führt zu Chaos, solange man der Sache nicht auf den Grund gegangen ist.

Was genau ist passiert?
Kenne ich alle Perspektiven?
Warum fühle ich mich schuldig?
Habe ich wirklich einen Fehler gemacht oder schäme ich mich vielleicht für etwas?

Such dir einen objektiven Berater, dessen Rat du vertrauen kannst. 
Dieser Mensch kann dir helfen, über deine jetzige Perspektive hinaus zu schauen und mehr Einzelheiten zu erkennen.

Denn, wenn wir unser Gefühl verstehen, können wir Klarheit ins Außen bringen.
Zum Beispiel indem wir das Gespräch suchen.
Oder unser Handeln in Zukunft anpassen.

Was sind Schamgefühle?

Nun tauchen wir noch ein bisschen tiefer.
Während Schuldgefühle zumeist unser Handeln betreffen, kreisen Schamgefühle um unser Sein.

Die Scham sagt: “Du bist, so wie du bist, falsch.”
Dieses Gefühl führt uns meistens bis in unsere Kindheit zurück.

Hat ein Kind etwas falsch gemacht und die Eltern (oder Lehrer, etc.) sagen “Schäm dich!”, dann bringen sie das Kind nicht nur um die Fähigkeit ihr Verhalten in Zukunft selbstbewusst korrigieren zu können.
Sie sagen damit auch: “Du bist falsch, sonst hättest du das ja nicht gemacht.”.
Unnötig zu sagen, dass Scham schwer wiegt wie Blei.

In Situationen wo ein Kind beschämt wird, entstehen in ihm innere Überzeugungen, die das ganze Leben begleiten, bis sie entdeckt und gelöst werden.

Niemand ist falsch wie er ist!

Denn das zu behaupten würde implizieren, dass es den perfekten Menschen gibt.

Es gibt die Vorstellung eines perfekten Menschen in unseren Köpfen, weil wir aus dem Vergleich mit Idealen unsere Motivation für Wachstum schöpfen.
Doch diese Ideale sehen in jedem Kopf anders aus. Wir sprechen einfach zu selten darüber, um diese Unterschiede zu begreifen.

Außerdem nehmen wir dem Menschen die Chance sich zu ändern und aus seinen Fehlern zu lernen, indem wir ihn als grundsätzlich falsch abstempeln.

Ganz besonders uns selbst! Denn die “Schäm dich”-Kommentare, die wir uns vor vielen, vielen Jahren hörten, sind unbemerkt zu unseren eigenen Stimmen in unserem Kopf geworden.

Scham lösen und sichtbar werden

Während Schuldgefühle oft zu allen möglichen Arten von Handlungsbedürfnis führen, macht uns Schamgefühl eher handlungsunfähig, still und unsichtbar.

Du erzählst im Meeting nicht von deiner Idee.
Du sagst deinem Partner nicht, was du dir wirklich wünscht.
Du ziehst den Schlussstrich nicht da, wo du ihn brauchst.

Und deshalb ist es so so wichtig hier hin zu schauen.

“Wer bin ich?”
Und dann Zwiebelschale für Zwiebelschale abzutragen, was wir eben doch nicht sind.
Egal wie lange wir es geglaubt haben. 

Du kannst dir vorstellen, dass dabei viel in Bewegung kommt. Und dass es seine Zeit in Anspruch nimmt.

Doch es ist die Mühe allemal wert. Denn die Stimme, die in deinem Hinterkopf “Schäm dich” sagt, hält dich bloß davon ab, dein Potential zu entfalten.

Du bist so viel wertvoller als du denkst!
Doch das wirst du erst glauben können, wenn du dich ausgepackt hast.

Bist du bereit tief zu tauchen?


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